Ziel ist es, Unternehmen einen professionellen, ethisch abgesicherten Rahmen für niedrigschwellige, vertrauliche und primärpräventive Unterstützung zu bieten - außerhalb der Heilkunde, ohne Diagnostik und ohne heilkundliche Psychotherapie.
Die Anforderungen der Arbeitswelt 4.0 und von New Work - Digitalisierung, hybride Zusammenarbeit, steigende Komplexität und beschleunigte Veränderungsprozesse - wirken unmittelbar auf Belastungserleben, Leistungsfähigkeit und Bindung.
Gleichzeitig nehmen psychosoziale Belastungen in vielen Organisationen zu und können sich in Erschöpfung, Konflikten, sinkender Motivation sowie steigenden Fehlzeiten und Fluktuation ausdrücken. Arbeit ist dabei häufig nicht die alleinige Ursache, kann jedochals Katalysator wirken - im Zusammenspiel mit privaten Belastungen, biografischen Stressoren oder aktuellen Krisen. Vor diesem Hintergrund gewinnen präventive, früh ansetzende Unterstützungsangebote an Bedeutung, die Orientierung geben, Ressourcen aktivieren und Kompetenzen stärken, bevor Belastungen chronisch werden.
Der Lotse (Mental Health Guide) fungiert als erste, strukturierende Anlaufstelle im Unternehmen: Er unterstützt bei Einordnung, Orientierung und passgenauer Weiterleitung innerhalb des Unterstützungs- und Versorgungssystems.
Das EAP-Programm (Employee Assistance Program) ergänzt diese Navigationsfunktion durch vertrauliche, strukturierte Kurzzeitberatung: Mitarbeitende erhalten kurzfristige Entlastung, Stabilisierung, psychoedukative Impulse und Unterstützung bei der Aktivierung von Ressourcen und Bewältigungsstrategien - sowohl bei arbeitsbezogenen als auch bei privaten Belastungsthemen. Beide Ausrichtungen sind so angelegt, dass sie in bestehende Strukturen von HR, BGM und Führung integrierbar sind und zugleich klare Grenzen wahren.
"Mit Lotse (Mental Health Guide) und EAP-Programm (Employee Assistance Program) schaffen wir zwei klar unterscheidbare, aber eng verzahnte Zugänge: Orientierung und Navigation auf der einen Seite - vertrauliche Kurzzeitberatung auf der anderen. Damit wird Prävention im Unternehmen greifbar, professionell und für Mitarbeitende wirklich nutzbar", sagt Sandra Neumayr Sopp, Präsidentin des VpsyB e.V.
"Strukturelle Gesundheitsarbeit entfaltet ihre Wirkung besonders dann, wenn Menschen in belastenden Situationen zusätzlich eine schnelle, vertrauliche und kompetente Anlaufstelle haben. Genau diese Verbindung stärken wir mit der Zusammenarbeit", ergänzt Ralf Wuzel, Gesundheitsstratege.
Zur Professionalisierung und Qualitätssicherung startet der VpsyB e.V. ab März eine Weiterbildung und Ausbildung für die neuen Ausrichtungen. Damit werden Standards, Ethik, Datenschutz sowie methodische und prozessuale Kompetenzen vermittelt, die für verantwortungsvolle, primärpräventive Arbeit im Unternehmenskontext erforderlich sind.
Das Angebot richtet sich an Unternehmen und Organisationen sowie an Fachverantwortliche in HR, BGM, Führung und Organisationsentwicklung. Im Fokus stehen praxistaugliche, präventive Unterstützungsleistungen, die Belastungen frühzeitig adressieren, Ressourcen stärken und die Handlungsfähigkeit in herausfordernden Situationen erhöhen - bei klarer Abgrenzung zur Heilkunde.
Über den Verband psychologischer Berater VpsyB e.V. Der Verband hat sich zum Ziel gesetzt, eine umfassende Aufklärung über die Möglichkeit der Inanspruchnahme einer psychologischen Beratung in belastenden Lebenssituationen zu etablieren. Dies dient auch der Primärprävention psychischer Erkrankungen. Es ist zu erwarten, dass aufgrund der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung ein steigender Beratungsbedarf für Menschen in schwierigen Lebenslagen besteht, um psychosoziale Belastungen frühzeitig zu bewältigen, bevor ein Gefühl der Überforderung entsteht. Die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt bedauerlicherweise weiter an. Dadurch entstehen sowohl dem Gesundheitssystem als auch den Unternehmen enorme Kosten. Psychische Erkrankungen gehören mittlerweile zu den fünf häufigsten Krankheitsarten, mit einer steigenden Tendenz von etwa 14 %. Es ist allgemein anerkannt, dass psychosoziale Belastungsfaktoren einen entscheidenden Beitrag zur Entstehung und Aufrechterhaltung depressiver Erkrankungen leisten. Daher ist es sinnvoll, bei diesen Belastungsfaktoren anzusetzen und den Menschen durch psychologische Beratung bei der Bewältigung aktueller Probleme zu unterstützen, noch bevor sie zu psychischen Erkrankungen führen. Der steigende Leistungsdruck, Arbeitslosigkeit, hohe Scheidungsraten, Informationsflut, Kontaktarmut und Kommunikationsdefizite u.v.m belasten die Menschen immer mehr. Die primäre Prävention sollte hier ansetzen, um den Menschen zu zeigen, dass ihre Situation veränderbar und lösbar ist, auch wenn sie subjektiv als schwer empfunden wird. In belastenden Situationen ist es wenig hilfreich, eine nicht ausgebildete Person als Ratgeber aufzusuchen. In der psychologischen Beratung geht es darum, den Klienten objektiv, neutral und wertschätzend bei der Klärung seiner Problematik zu unterstützen. Durch gezielte Fragestellungen und Beratungstechniken werden die Klienten zu ihren eigenen Lösungsmöglichkeiten geführt. Psychologische Beratung ist zeitlich begrenzt und stellt keine Heilbehandlung psychischer Erkrankungen dar. Ihr übergeordnetes Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität der Klienten.






