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Mobilität im Stadtverkehr - Verkehrswende geht anders
11.11.2021

Die Abschätzungen der "Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität" gingen vor der Corona-Pandemie davon aus, dass die CO2-Reduzierungsziele im Verkehrssektor erreichbar sind, falls der Modal-Split des ÖPNV am Gesamtverkehr bis 2030 um ein Drittel ansteigt. Derzeit haben die Verkehrsunternehmen aber viel Mühe, die durch die Corona-Pandemie verlorenen Kunden und Fahrten wiederzugewinnen.

"Die aktuellen Höchstwerte der Corona-Infektionszahlen lassen befürchten, dass der erwartete Anstieg bei der Nutzung von Bussen und Bahnen und damit eine Entwicklung zur Normalität nochmals an Dynamik verlieren könnte - gleichzeitig ähnelt die Stausituation in vielen Städten dem Bild vor Corona", betont Johannes Hercher, Vorstand der Rogator AG und Co-Autor der Studie OpinionTRAIN.


Die Ergebnisse der Studie im Überblick:


Größere Städte durch Corona-bedingte Mobilitätsveränderungen stark betroffen: Verlierer ist der ÖPNV

Der ÖPNV verliert mit anhaltender Corona-Krise weiterhin zweifach: Erstens ist die Mobilität bedingt durch die Corona-Krise in Städten insgesamt gesunken. Während 2018 noch 42 % der Befragten angaben, jeden Tag im Stadtgebiet unterwegs zu sein, ist der korrespondierende Werte im Nov./Dez. 2020 auf 22 % zurückgegangen und bleibt auch in der Messung im Aug./Sep. 2021 auf diesem Niveau. Lag der Anteil von Personen, die nicht im Stadtgebiet unterwegs sind, in 2018 bei ca. 4 %, hat sich dieser in Zeiten von Corona in etwa verdoppelt (8 % Aug./Sep. 2021). Zweitens hat eine Verlagerung zwischen den Verkehrsmitteln stattgefunden, und zwar zu Lasten des ÖPNV. Die Nutzung von Bahn/S-Bahn/U-Bahn/Straßenbahn war durch den Ausbruch der Corona-Pandemie zunächst stark beeinträchtigt. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) berichtet für den Krisenbeginn von einem Nachfragerückgang auf ein Niveau von 20 % (ggü. der Situation vor der Corona-Krise), zu Beginn des Jahres 2021 soll sich dieses auf 60 % verbessert haben. Die größeren Städte sind vom Nachfragerückgang im ÖPNV besonders betroffen. Hier war der Modalsplit für Busse und Bahnen bereits vor der Pandemie besonders hoch und der Fahrtenverlust nach Ausbruch der Corona-Krise besonders stark. Gleichzeitig führt die vergleichsweise hohe Homeoffice-Quote in größeren Städten dazu, dass es nicht zu einer vollständigen Reversibilität der Nachfrage kommt.

Kundenbindung bei Nutzern von Verbund-Zeitkarten mit Fragezeichen

Für die örtlichen Verkehrsunternehmen und -verbünde haben die Besitzer von Zeitkarten eine strategische Bedeutung, entfallen doch die größten Anteile der Fahrten und Einnahmen auf dieses Kundensegment. In Deutschland besitzen 19 % der Befragten eine Verbund-Zeitkarte, fast jeder Fünfte in dieser Gruppe beabsichtigt aber, das Angebot zukünftig nicht mehr zu nutzen. Teilweise wird versucht, verlorene Abo-Kunden durch alternative Tarifangebote außerhalb des Abos zu binden, beispielsweise durch zweistufige Tarife analog des BahnCard-Modells oder durch spezielle Homeoffice-Tickets für Pendler, die den ÖPNV nur an wenigen Tagen in der Woche nutzen. Aber auch am anderen Ende des Spektrums der ÖPNV-Nutzer zeigen sich erhebliche Herausforderungen. So nutzen aktuell mehr als 40 % der mobilen Menschen in der Stadt Busse und Bahnen überhaupt nicht.

Problematisch für die Verkehrswende: Kein Rückgang der Pkw-Nutzung im Stadtverkehr erwartet

Weiterhin dominierend ist der Pkw als Verkehrsmittel. In der Erhebung im Aug./Sep. 2021 gaben ca. 66 % der Befragten an, seit März 2020 den eigenen Pkw im Stadtverkehr zu nutzen. Ca. 12 % sind als Pkw-Mitfahrer unterwegs. Der Anteil der Pkw-Nutzer ist in größeren Städten (52 % bei 500.000+ Einwohnern) und in der Altersgruppe < 30 Jahre (53 %) deutlich geringer als im Durchschnitt. Auf die Frage "Wie werden Sie die folgenden Verkehrsmittel innerhalb der Stadt nutzen, wenn die Corona-Krise beendet ist (d.h. mit einer Covid-19-Impfquote von 80-90 % in der Bevölkerung)?" ergibt sich aus den Antworten im Aug./Sep. 2021 für den Pkw ein leichtes Plus (11 % seltener, 12 % häufiger, 61 % gleich oft, 16 % nutzen den Pkw bisher und zukünftig nicht). Für die Nutzung von Bahn/S-Bahn/U-Bahn/Straßenbahn im Stadtverkehr ergibt sind im Saldo ein Minus (19 % seltener, 7 % häufiger, 30 % gleich oft, 44 % nutzen diese Verkehrsmittel bisher und zukünftig nicht).

Die Eignung des Wohnorts für die Fahrradnutzung: Viel Steigerungspotenzial in Deutschland

Insbesondere in Deutschland ist der Anteil der Fahrrad-Nutzer in der Stadt während der Corona-Krise deutlich angestiegen. Er lag in Erhebungen aus dem Jahr 2018 bei ca. 19 %. I

Portrait:

Rogator AG Die Rogator AG steht seit 20 Jahren für leistungsstarke Software und erfolgreiche Online-Forschung. Erfolgsgarant des Unternehmens ist dabei die Kombination aus zuverlässigen Softwareprodukten, fundierten methodischen Kenntnissen im Online-Kunden- und Mitarbeiterfeedback sowie einem umfassenden Full-Service-Angebot: "Combined Competence" für jedes Befragungsprojekt. Johannes Hercher ist Vorstand der Rogator AG.

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