Bonn, 22. Juli 2026. Der Schüleraustausch deutscher Jugendlicher hat die Folgen der Corona-Pandemie weitgehend überwunden. Rund 17.750 Schülerinnen und Schüler aus Deutschland nahmen im Programmjahr 2024/25 an einem mehrmonatigen Schulaufenthalt im Ausland teil. Etwa 13.000 von ihnen besuchten über eine Austauschorganisation oder Agentur eine öffentliche Schule im Gastland. Damit haben sich die Teilnehmendenzahlen auf einem Niveau stabilisiert, das zuletzt vor der Pandemie erreicht wurde.
Während es deutsche Jugendliche wieder verlässlich in die Welt zieht, entwickelt sich der Austausch in die andere Richtung deutlich schwächer: 14 der befragten deutschen Austauschorganisationen ermöglichten im Programmjahr 2024/25 nur noch gut 1.000 ausländischen Jugendlichen einen halb- oder ganzjährigen Schulbesuch in Deutschland. Gegenüber 2022/23 bedeutet dies einen Rückgang um mehr als 30 Prozent. Im Vergleich zum Höchststand vor rund zehn Jahren ist die Zahl sogar um mehr als 60 Prozent gesunken.
„Der Schüleraustausch hat sich nach der Pandemie erfreulich schnell erholt. Internationaler Austausch darf jedoch keine Einbahnstraße werden. Wenn immer weniger junge Menschen Deutschland als Gastland erleben, gehen wertvolle persönliche Begegnungen verloren – und damit auch Chancen für Völkerverständigung, Weltoffenheit und die internationale Wahrnehmung Deutschlands als Bildungsstandort.“ Thomas Terbeck, Gründer und Geschäftsführer von weltweiser
USA bleiben das beliebteste Gastland
Die Vereinigten Staaten behaupten ihre Spitzenposition: 5.072 deutsche Jugendliche entschieden sich 2024/25 für einen Schüleraustausch in den USA. Das entspricht rund 39 Prozent der Teilnehmenden an organisierten Programmen öffentlicher Schulen. Auf den weiteren Plätzen folgen Kanada mit 3.243 und Neuseeland mit 1.266 Austauschschüler:innen.
Die Konzentration auf englischsprachige Länder bleibt groß: Mehr als 88 Prozent der Jugendlichen verbrachten ihren Schüleraustausch in den USA, Kanada, Neuseeland, Irland, Australien oder Großbritannien. Die übrigen Teilnehmenden verteilten sich auf rund 40 weitere Gastländer. Neben Frankreich und Spanien konnten unter anderem Costa Rica, Argentinien und Japan zahlreiche deutsche Jugendliche für sich gewinnen.
Mädchen zieht es weiterhin häufiger ins Ausland
Auch beim Geschlechterverhältnis bleibt der Schüleraustausch unausgewogen. 62,7 Prozent der Teilnehmenden waren weiblich, 37,1 Prozent männlich und 0,2 Prozent divers. Damit stellen Mädchen und junge Frauen seit rund zwei Jahrzehnten die deutliche Mehrheit der Austauschschüler:innen.
„Die Zahlen zeigen, dass wir nicht nur über steigende Teilnehmendenzahlen sprechen dürfen. Es muss auch darum gehen, welche Jugendlichen mit den bestehenden Angeboten erreicht werden – und welche bislang deutlich seltener von einem Schüleraustausch profitieren.“ Thomas Terbeck
Schüleraustausch bleibt ein Minderheitenprogramm
Trotz der positiven Erholung nimmt bislang nur ein kleiner Teil der Jugendlichen an einem mehrmonatigen Schulaufenthalt im Ausland teil. Bezogen auf die relevanten Altersstufen sind es bundesweit rund 2,5 Prozent. weltweiser fordert daher bessere schulische Rahmenbedingungen, einen leichteren Zugang zu Fördermöglichkeiten und eine stärkere gesellschaftliche Anerkennung internationaler Bildungserfahrungen.
„Ein Schüleraustausch stärkt Selbstständigkeit, interkulturelle Kompetenz und die Fähigkeit, andere Perspektiven einzunehmen. Gerade in einer Zeit internationaler Konflikte und zunehmender gesellschaftlicher Abgrenzung brauchen wir mehr persönliche Begegnungen über Ländergrenzen hinweg – nicht weniger“, betont Terbeck.
Über die weltweiser-Studie
weltweiser erhebt seit mehr als 20 Jahren gemeinsam mit deutschen Austauschorganisationen systematisch Daten zum Schüleraustausch. Für das Programmjahr 2024/25 stellten 61 Organisationen ihre Zahlen zur Verfügung. Die zwölfte Auflage der weltweiser-Studie untersucht unter anderem die Entwicklung der Teilnehmendenzahlen, die beliebtesten Gastländer, die Aufenthaltsdauer, Gastfamilienplatzierungen, Programmabbrüche und das Geschlechterverhältnis.
Die vollständige weltweiser-Studie – Auslandsaufenthalte 2026 mit 61 Seiten, zahlreichen Grafiken und langfristigen Vergleichsdaten steht kostenlos zur Verfügung: weltweiser.de
weltweiser ist ein unabhängiger Bildungsberatungsdienst & Verlag. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, sachkundig über Auslandsaufenthalte und internationale Bildungsangebote wie Schüleraustausch, High-School-Aufenthalte, Sprachreisen, Au-Pair, Work & Travel, Praktika, Freiwilligendienste sowie Studium im Ausland zu informieren. Wir sind weder eine Austauschorganisation noch ein Reiseveranstalter. Auf unseren bundesweit sowie ab sofort auch virtuell stattfindenden JugendBildungsmessen ermöglichen wir angehenden Weltentdecker:innen, sich persönlich von Expert:innen der internationalen Austausch- und Bildungsbranche beraten zu lassen. Darüber hinaus veröffentlichen wir Ratgeber und eine Zeitung zu Auslandsaufenthalten, betreiben verschiedene Online-Plattformen und halten Vorträge an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Im Rahmen unserer Beratung bieten wir Jugendlichen Orientierung zu den unterschiedlichen Wegen ins Ausland, um für jeden einzelnen Interessenten das individuell beste Programm zu finden. Wir sind davon überzeugt, dass langfristige Auslandsaufenthalte nicht nur akademisch von großem Nutzen sind, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung leisten können. Die Chance, eine andere Kultur zu erleben und seinen persönlichen Horizont zu erweitern, sollte man sich nicht entgehen lassen.






