Ein Om im Bundestag: Yogapremiere im Ausschusssaal des Paul-Löbe-Hauses
08.07.2026
Die Initiative geht auf die Zusammenarbeit zwischen Abgeordneten des Bundestages und der Indischen Botschaft in Berlin zurück und reiht sich in die weltweiten Aktionen zum Internationalen Tag des Yoga ein, den die Vereinten Nationen auf Initiative Indiens ins Leben gerufen haben und der jährlich am 21. Juni begangen wird.
Botschafter Ajit Gupte hob in seinem Grußwort die ganzheitliche Wirkung von Yoga hervor: Yoga stärke die körperliche Fitness, fördere mentale Stabilität und Konzentration und berühre zugleich eine spirituelle Dimension. Bei regelmäßiger Praxis trage es dazu bei, optimistischer und friedlicher zu werden und so verantwortungsvolles gesellschaftliches Handeln zu unterstützen.
Die Veranstaltung war praxisorientiert angelegt: Eine Stuhl-Yoga-Einheit mit Dr. Rajesh Mishra und eine Meditations- und Atemsequenz mit Sanjay Tambe zeigten, dass Yoga auch jenseits der Matte wirksam sein kann, mitten im Berufsalltag, am Schreibtisch oder in Sitzungen. Abgeordnete, Diplomaten und Gäste aus der Zivilgesellschaft praktizierten gemeinsam einfache Asanas im Sitzen, Atemübungen und eine kurze Visualisierung; zum Abschluss tönten alle gemeinsam ein Om. Gastgeber Henri Schmidt nahm aktiv an der Praxis teil und wurde im Anschluss für die „Öffnung der Türen des Bundestages“ für Yoga gewürdigt.
Sukadev Volker Bretz hielt einen Überblicksvortrag zur Geschichte und gesellschaftlichen Bedeutung von Yoga in Deutschland. Er betonte, dass Yoga und indisches Denken die deutsche Kultur „viel früher und viel tiefer geprägt haben, als wir uns meistens bewusst machen“, und nannte vier Einflusslinien: Selbstbeherrschung und innere Freiheit, die deutsche Suche nach Innerlichkeit, die Entwicklung ganzheitlicher Gesundheitsvorstellungen sowie ein erweitertes Verständnis von Religion als Erfahrungsweg. Bretz warnte vor einer „Kultur der ständigen Erregung“ und sagte: „Der erste Ort, an dem Zivilisation entsteht, ist der eigene Geist. Wer sich selbst nicht führen kann, kann auch andere nicht gut führen.“ Er schloss mit dem Appell: „Bevor wir Frieden fordern, müssen wir Frieden üben. Bevor wir Dialog verlangen, müssen wir zuhören lernen.“
Die Veranstaltung hatte eine internationale Dimension: Gäste aus London und Neu-Delhi reisten an, indische Medienvertreter:innen berichteten vor Ort. Nach Angaben der Veranstalter fand eine Veranstaltung in dieser Form, mit praktischer Yoga-Einheit, Atemübungen, Meditation in einem Ausschusssitzungssaal, im Deutschen Bundestag zum ersten Mal statt. Die Beteiligten kündigten an, das Format künftig jährlich rund um den Internationalen Tag des Yoga fortzuführen.
Sukadev Bretz war bereits mehrfach an Veranstaltungen zum International Day of Yoga im britischen Parlament beteiligt und brachte sich dort, per Video zugeschaltet, mit Redebeiträgen und Segensmantras ein. 2022 ehrte ihn die „All-Party Parliamentary Group on Indian Traditional Sciences“ des britischen Parlaments für seine besonderen Verdienste um die Verbreitung des Yoga und verlieh ihm den Titel „Yoga Ratna“, „in recognition of exceptional service of the highest order, without distinction of race or religion, in the furtherance of Yoga and Indian Traditional Sciences“.
Portrait:
Yoga Vidya e. V. ist seit 30 Jahren eine als gemeinnütziger Verein organisierte Religionsgemeinschaft rund um Yoga und spirituelles Wachstum. In ihren Yoga- und Ayurveda-Seminarhäusern in Bad Meinberg, im Westerwald, an der Nordsee und im Allgäu finden Interessierte an 365 Tagen im Jahr Zugang zu diesem jahrtausendealten Erfahrungsschatz.






