Interview des WirtschaftsMagazins Online mit:
Andreas Werft, International anerkannter Unternehmensberater, City- u. Tourismusmanager, Businessangel und Visionär über mutige Städte, kreative Bürger und den Schlüssel zu lebendigen Innenstädten
Johannes Burwege WMO: Herr Werft, viele Innenstädte kämpfen derzeit mit Leerständen und einem veränderten Konsumverhalten. Sehen Sie darin nur Probleme oder auch Chancen?
Andreas Werft: Definitiv Chancen! Natürlich stehen Citymanager und Stadtmarketingverantwortliche vor großen Herausforderungen, aber genau darin liegt auch die Möglichkeit, neue Wege zu gehen. Es geht nicht nur um das Nachbesetzen von Ladenlokalen, sondern darum, die Stadt als Ganzes neu zu denken. Eine Stadt muss einzigartig sein – ein Ort, der Menschen inspiriert, begeistert und mit dem sie sich identifizieren.
Johannes Burwege: Wie sollte ein modernes Citymanagement Ihrer Meinung nach aussehen?
Andreas Werft: Ein guter Citymanager ist mehr als nur ein Verwalter – er ist ein Macher, Kommunikator und Moderator. Es reicht nicht, das Handelsangebot zu kuratieren. Die Stadt muss überall präsent sein – ob auf dem Sportplatz, bei der Grillfeier oder im Wald. Sie sollte zur DNA ihrer Bewohner werden. Die Menschen müssen stolz sagen können: „Ich bin stolz, aus dieser Stadt zu kommen.“
Johannes Burwege: Sie sprechen oft von der Bedeutung der Bürgerbeteiligung. Warum ist das so entscheidend?
Andreas Werft: Weil die Stadt den Menschen gehört. Es gibt so viele engagierte Menschen, Vereine und Institutionen, die über enormes Know-how verfügen. Unsere Aufgabe ist es, sie zu wecken, Türen zu öffnen und sie dazu zu ermutigen, sich einzubringen. Nur wenn Bürger aktiv beteiligt sind, entsteht ein echtes Zugehörigkeitsgefühl. Und das ist langfristig der Schlüssel für eine lebendige und attraktive Stadt.
Johannes Burwege: Sie kritisieren die deutsche Mentalität, die oft von Skepsis geprägt ist. Warum ist das ein Problem?
Andreas Werft: In Deutschland wird leider oft erst diskutiert und dann gezögert. Das hindert uns daran, mutig voranzugehen. Ja, es stimmt, nicht alles klappt beim ersten Versuch, aber das ist okay. Scheitern ist Teil des Erfolgsprozesses. Wer klein und vorsichtig denkt, scheitert am Ende. Mut und Entschlossenheit sind essenziell.
Johannes Burwege: Sie sagen, dass Kreativität Geld sparen kann. Was meinen Sie damit?
Andreas Werft: Ein guter Macher, der kreativ und strategisch arbeitet, spart Ressourcen. Oft werden teure externe Dienstleistungen eingekauft, obwohl vor Ort bereits enormes Potenzial vorhanden ist. Jeder Mensch hat besondere Fähigkeiten, die man nutzen kann. Diese Stärken sind die Bausteine für eine erfolgreiche Stadtentwicklung.
Johannes Burwege: Welche Rolle spielen Vereine in diesem Prozess?
Andreas Werft: Vereine sind unglaublich wertvoll. Sie bringen Menschen zusammen und bieten enormes Potenzial für kreative Projekte. Vereine sind die Baumeister unserer Städte. Wenn wir sie aktiv einbinden, schaffen wir eine starke Basis für eine lebendige Gemeinschaft.
Johannes Burwege: Sie haben selbst bereits Rückschläge erlebt. Wie wichtig ist es, mit dem Scheitern umzugehen?
Andreas Werft: Sehr wichtig! Wer viel macht, wird zwangsläufig auch mal scheitern. Aber das sollte niemanden davon abhalten, kreativ zu bleiben und aktiv an der Zukunft zu arbeiten. Scheitern ist eine Chance, daraus zu lernen und es besser zu machen.
Johannes Burwege: Was ist Ihre Vision für die Städte der Zukunft?
Andreas Werft: Eine lebendige Stadt ist ein Ort, der inspiriert und die Identität der Menschen widerspiegelt. Dafür müssen Citymanager Brücken bauen – zwischen Bürgern, Stadtverwaltung und Unternehmen. Es geht um innovative Projekte, strategische Planung und vor allem darum, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen. Neid und Missgunst haben keinen Platz in diesem Prozess. Nur gemeinsam können wir Orte schaffen, die wirtschaftlich attraktiv und zugleich inspirierend sind.
Johannes Burwege: Abschließend: Was ist die wichtigste Botschaft, die Sie Städten mit auf den Weg geben möchten?
Andreas Werft: Mut, Kreativität und Gemeinschaftssinn. Wenn Städte diese drei Elemente zusammenbringen, können sie jede Herausforderung meistern. Es geht nicht nur um wirtschaftlichen Erfolg, sondern darum, eine Stadt zu schaffen, die die Menschen stolz macht. Eine Stadt, die lebt und atmet, weil die Menschen sie mitgestalten und sich mit ihr identifizieren.
Johannes Burwege: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Werft!
Andreas Werft: Ich danke Ihnen!


