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Was macht glücklich? von Dr. Johanna Dahm
16.06.2023
Was macht glücklich? von Dr. Johanna Dahm Inmitten des turbulenten Jahres 2023 fürchten die Deutschen verstärkt um ihre Zukunft. Das schlägt sich nicht nur auf den stagnierenden Konsum und eine Rückgang des BIP nieder, auch auf dem aktuellen worldhappiness.report sinkt die Republik um weitere Plätze. Trotz einer Flut an Glücks-Ratgebern wirken mehr Menschen denn je unzufrieden. In einem Interview wurde die Frankfurter Entscheidungsexpertin Dr. Johanna Dahm zu diesem Trend befragt: Ist Glück lernbar? Ist Mut ein Schlüssel zum Glück? Und machen Entscheidungen glücklich? Sie antwortete aus einem Fundus an historischen, wissenschaftlichen, empirischen Erkenntnissen und 22 Jahren persönlicher Betrachtung - zur allgemeinen Überraschung. Frage: Es gibt zahlreiche Coaching-Angebote, Bücher und Seminare, die versprechen, das Glück zu finden oder mehr Mut zu entwickeln. Doch trotz des Booms in der Selbsthilfe-Branche scheinen solche Versprechen oft nicht zu funktionieren. Wie sehen Sie das? JD: Glück und Mut sind ja sehr persönliche und individuelle Themen. Was für den einen Menschen funktioniert, klappt für den anderen eben nicht. Viele Coaches und Konzepte offerieren eine Art Einheitslösung, die sich mit den Bedürfnisse und Umständen der Ratsuchenden nicht vereinbaren lässt. Frage: Was ist mit Erfolgsversprechungen - kann man diese ernst nehmen oder raten Sie da eher zur Vorsicht? JD: Ähnlich wie in der Medizin würde eine seriöse Beratung oder Coaching gar keine gar schnellen Erfolge oder Ergebnisse versprechen, das wäre ja unlauter. Es ist der Zeitgeist, der immer schneller wird. Menschen wollen Adhoc-Lösungen, und das steht nun mal im Widerspruch zu Geduld, Ausdauer und Bereitschaft, sich mit den eigenen Werten, Zielen und Bedürfnissen auseinander zu setzen. Langfristige gerade individuelle Veränderungen erfordern das allerdings, das ist im privaten wie im beruflichen Kontext nicht anders. Frage: Gibt es denn überhaupt irgendeine Garantie oder zumindest ein Anrecht auf Erfolg oder Glück - die amerikanische Verfassung hat das ja verankert... JD: Danke für dieses Beispiel! Das "Recht auf Glück" wurde ja gar nicht direkt in die amerikanische Verfassung aufgenommen. Stattdessen heißt es in der Unabhängigkeitserklärung von 1776, dass alle Menschen "das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück" haben. Die Formulierung ist wichtig, weil sie ein grundlegendes Menschenrecht konstatiert und mit der damaligen Monarchie der britischen Herrschaft und feudalen Gesellschaftsstrukturen bricht. Die Idee des individuellen Glücksstreben war ein zentraler Gedanke in der Begründung der neuen amerikanischen Nation. Es war das erste Mal, dass eine Regierung offiziell das Recht auf Glück als Teil ihrer politischen Doktrin anerkannte, was bis heute ein wichtiges Erbe der amerikanischen Geschichte ist - also kein allgemein gültiger Glücksbegriff sondern ein Appell, dass Menschen sich auf ihre eigenen Entscheidungen konzentrieren, die langfristige Zufriedenheit und Glück fördern sollten. Frage: Was bedeutet das dann konkret? JD: Die Übertragung der Aufgabe an den einzelnen, sich den eigenen Platz in der Gesellschaft, eine Karriere, Vermögenswerte, Absicherung für die Familie, vielleicht Grundbesitz aufzubauen, für manche Industrielle durchaus auch Unternehmenswerte und all das nicht durch Missachtung der Gesetze zu gefährden - eben nicht auf dem Rücken von Staat und Regierung als Versorger. In Deutschland wird diese Verantwortung ja mehr und mehr abgewälzt, das eigene Glück von Staat, Politik, Gehaltssicherheit abhängig gemacht. Der Rest besteht in kurzfristigen Glücks-Momenten und aneinandergereihten Momenten, die oft mit Lebensstandard und Konsum, Aktivitäten und Beziehungen in Verbindung stehen. Weniger aber mit Selbstreflexion, Selbstakzeptanz, Hinterfragen von Werten und Zielen oder innerer Zufriedenheit zu tun haben Frage: Haben wir also einen falschen Fokus? JD: Nicht unbedingt, allerdings lassen wir uns durch die Medien stark manipulieren. Dadurch befinden wir uns in einem dauernden und komplexen inneren Algorithmus: wir vergleichen ständig Ist- und Sollzustände, hinterfragen unsere Erwartungen an Leben, Beruf, Beziehung usf. Wir reden uns inzwischen selbst ein, nicht gut genug zu sein, stellen uns selbst durch fortlaufendes Vergleichen unter einen Erfolgsdruck, an dem wir zwangsläufig scheitern müssen! Frage: Und das macht unglücklich? JD: mehr und mehr! Erfolgserleben schüttet im Hirn Dopamine aus, die Glücksempfinden steigern. Statt uns am eigenen Sein und Haben zu freuen, setzen wir uns dem dauernden Vergleich aus, mehr haben zu müssen, nicht genug zu sein, zu l
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