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Die Brille des Karl Marx
12.06.2023
1. Einleitung Eines muss man Andreas Babler in seinem Kampf um den SPÖ-Vorsitz zugute halten: Es trägt sein Herz auf der Zunge. Ganz besonders zutage trat dieser Umstand kürzlich in einem Interview in der ZIB 2, als er meinte, Marxismus sei eine gute Brille, um auf die Welt zu blicken. War er damit meinte, verdeutlichte er wenig später in einem Puls 4-Interview, in dem er ausführte, "Ich bin marxistisch orientiert seit meiner Jugendorganisation. Aber Marxist ist natürlich ein hartes Wort manchmal." - um zugleich klarzustellen: "Die Gleichsetzung von Marxismus mit allem, was daraus gemacht wurde, ist natürlich ein Blödsinn." Es entbrannte eine medial ausgetragene Zuspitzung der Äußerungen Bablers dahingehend, ob ein Gutheißen des Marxismus zugleich eine Verhöhnung der Verbrechen kommunistischer Parteien sei (Franz Schellhorn) oder der Hinweis auf die Vergangenheit des Kommunismus eine Verhöhnung des Wirtschaftsphilosophen Marx (Stephan Schulmeister). Dass kommunistische Regime wie einst die Sowjetunion oder heutzutage Nordkorea Unrechtsregime waren bzw. sind, steht außer Streit - verdeckt aber einen kritischen Blick auf jene wirtschaftspolitischen Theorien, die Marx prägte. Hierauf wollen wir einen näheren Blick werfen. 2. Karl Marx: Leben und Wirken Karl Marx war ein deutscher Philosoph und Ökonom. Er wurde am 5.5.1818 in Trier, im heutigen Deutschland, geboren und starb am 14.3,1883 in London. Er studierte Rechtswissenschaften, Geschichte, Philosophie und politische Ökonomie. Während seines Studiums schloss er sich dem philosophischen Idealismus an, wurde jedoch im Laufe der Zeit zunehmend von den sozialen Problemen der Arbeiterklasse beeinflusst. Friedrich Engels, eine deutscher Philosophen und Sozialwissenschaftler, gilt als enger Freund und Wegbebleiter von Marx. Gemeinsam entwickelten sie die Ideen des wissenschaftlichen Sozialismus und veröffentlichten 1848 das kommunistische Manifest, ein programmatisches, verhältnismäßig kurzes Rahmenwert für die kommunistische Partei, das mit einer Aufforderung endet, die auch Nichtökonomen bekannt ist: "Proletarier aller Länder, vereinigt euch." Marx' bekanntestes Werk jedoch ist das weitaus umfangreichere Schriftstück "Das Kapital". Darin beschreibt er sein Verständnis der Funktionsweise des Kapitalismus, kritisiert die Ausbeutung der Arbeiterklasse, also des Proletariats, durch die Bourgeoisie und argumentiert, dass der Kapitalismus zum Untergang verurteilt sei. Marx prophezeit eine revolutionäre Veränderung der Gesellschaft, bei der die Arbeiterklasse die Kontrolle über die Produktionsmittel übernehmen und eine klassenlose Gesellschaft erreichen werde. Ebenso zu erwähnen ist Marx' Buchrezension "Zur Judenfrage" aus dem Jahr 1843, dessen Schwerpunkt zwar nicht ökonomischer Natur ist, das zum Verständnis der Person Marx aber ebenso hilfreich ist. In diesem Werk setzt sich Marx - selbst als Jude geboren, später aber zum Protestantismus konvertiert - mit einem Buch von Bruno Bauer auseinander, verwendet dabei allerdings durchwegs stereotype und diskriminierende Begriffe, um abschließend schlusszufolgern: "Die gesellschaftliche Emanzipation des Juden ist die Emanzipation der Gesellschaft vom Judentum." Während die deutsch-amerikanische Autorin Hannah Arendt Marx' Rezension als klassisches Werk des "linken Antisemitismus" bezeichnete, geben andere Historiker zu denken, dass Marx' Ausführungen vor dem historischen Hintergrund eines weit verbreiteten und gesellschaftlich anerkannten Antisemitismus zu sehen seien, zumal Marx zu einem späteren Zeitpunkt religionskritisch in Erscheinung trat. Obwohl Marx zu Lebzeiten keine politische Macht erlangte, wenngleich er die Schaffung einer revolutionären sozialistischen Partei in Deutschland betrieb, wurden seine Ideen später von verschiedenen sozialistischen und kommunistischen Bewegungen aufgegriffen. Im 20. Jahrhundert wurden Staaten wie die Sowjetunion, China und Kuba auf marxistischen Prinzipien aufgebaut, diese teilweise aber auch sukzessive kritisiert und aufgegeben. 3. Zentrale Grundsätze des Marx'schen Kommunismus Der Kommunismus, wie Karl Marx ihn verstand, sollte sich nicht "verstecken". Demgemäß können dem "Kommunistischen Manifest" zehn konkrete Regeln entnommen werden, die Marx zur Umsetzung der proletarischen Revolution und Etablierung einer Herrschaft des Arbeitertums als zentral ansah. Einzelne dieser Grundsätze wurden in einer Vielzahl von Staaten westlicher Prägung, wenngleich in abgeschwächter Form, auch umgesetzt: Etwa die progressive Besteuerung von Einkommen, die Abschaffung der Kinderarbeit, die Überantwortung der Ki
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