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Heilsame Schönheiten - das Aostatal in voller Blütenpracht
26.05.2020

In der kleinsten Region Italiens zeigt sich die Vielfalt alpiner Botanik ab Mai wieder in seiner vollen Pracht. Ein üppiges Spektrum an Bergblumen und -kräutern überzieht die typisch alpine Landschaft. Ungebändigt wuchern sie in den zahlreichen Naturschutzgebieten. Über alte und neu angelegte Kräutergärten, Lehrpfade und ein interaktives Pflanzenkunde-Museum lässt sich die wilde Vielfalt berühren, beschnuppern, betrachten und studieren. Vier Botanische Gärten ergänzen den florierenden Parcours in seiner vollen Blütenpracht.
Jede alpine Pflanze ist einzigartig und kommt auf vielfältige Weise zum Einsatz. Im Aostatal haben vor allem die valdostanischen Frauen das Wissen über die Pflanzen und ihre Heilkräfte von Generation zu Generation weitergegeben. Neben den traditionellen Heilmitteln, die seit Jahrhunderten die Grundlage der ländlichen Hausapotheke bilden, sind auch Zubereitungsarten, Dosierungen und Anwendungsdauer überliefert. Neue und besonders schonende, technische Verfahren des Destillierens verbinden Vergangenheit und Gegenwart, Tradition und Moderne. Pharmazeuten und kleine Produzenten aus der Region verarbeiten die Schätze zu ebenso aromatischen wie heilsamen Tees, Salben, Tinkturen und Ölen zum Einnehmen, Einreiben oder Inhalieren. Für Wellness, Phytokosmetik und Aromatherapie wird der Wildwuchs ebenso verarbeitet. Ätherische Öle sind das Wertvollste, was man aus einer Pflanze gewinnen kann. Sie sind die Persönlichkeit und Seele der der Pflanze. Ihr Konzentrat enthält vitale Energie in ihrer reinsten Form. Pur oder mit hochwertigem Pflanzenöl werden sie sanft durch die Atmung aufgenommen oder versorgen die Haut mit wichtigen Nähr- und Pflegestoffen.

Typische Heilpflanzen des Aostatals

Neben wildem Rosmarin oder Lavendel stehen auch Malve, Calendula oder Imperatoria (Meisterwurz) zum Pflücken bereit. Neben seiner kühlenden, schweißhemmenden Wirkung lindert der Saggio delle Montagne (Salbei) Halsschmerzen. Immergrüner Berg-Thymian reinigt die Atemwege - antiviral. Beruhigend und abschwellend wirkt die krautige Arnika. Während sie in Weiden, Mooren und Rhododendren schon ab 500 Höhenmetern wächst, trifft man den bitter-aromatischen Genepy erst ab 1.500 an. Dieser Valdostaner wächst unter Felsbrocken und lindert "Bergkrankheit" wie Kopfweh, Schwindel und Erschöpfung. Seine Bitterstoffe wirken verdauungsfördernd. Hoch in den Bergen wächst auch die Ährige Edelraute (Artemisia Genipi). Das eng mit dem Wermut verwandte typische Aostakraut ist die Hauptzutat für den traditionellen Génépi-Likör. In bis zu über dreitausend Metern Höhen wächst auch der Star der Alpen: Zwischen den Kalksteinfelsen der alpinen Weiden findet man Stella Alpina - das Edelweiss. Das zart behaarte, phytogene Wahrzeichen ist reinstes Antiaging für die Haut.

Begehbares interaktives Herbarium

Wer mehr wissen will: Im Zentrum zur Anwendung von Heilpflanzen "La Maison des Anciens Remèdes" findet sich von der Wurzel über die Stämme, Blätter, Blüten und Früchte das geballte Pflanzenwissen- von der alten Heilkunde bis zur wissenschaftlichen Erkenntnis. Im ehemaligen Heuschober der Pfarrei Jovençan treffen Natur und volkstümliche Kultur mit uraltem Wissen über Legenden, Rezepte und Hausmittel zusammen. In La Bouteucca de l'Apotéquéro - der alten Apotheke - werden 38 lokale Pflanzen in Schubladen aufbewahrt. Dieser haptische Zugang eröffnet dem Besucher einen sinnlichen Zugang in die alpine Pflanzenwelt. Interaktive Bildschirme vermitteln die Zubereitung der traditionellen Heilmittel. Ein spezieller Bereich mit interaktiven Lernspielen ist den Kindern gewidmet. Infos: www.anciensremedesjovencan.it/

Das Viergespann der alpinen Botanischen Gärten

Ganze vier alpine botanische Gärten sind über das Aostatal verstreut. Die Gärten Chanousia am kleinen Sankt Bernhard, Saussurea am Pavillon des Montblanc, Paradisia in Cogne und der Park am Castel Savoia in Gressoney-Saint-Jean laden zu einer Entdeckungsreise in die typische Bergwelt des Aostatals. Sie eröffnen den Gästen die Artenvielfalt und machen die valdestonische Flora begeh- und erlebbar.

Botanischer Garten im Schloss Savoyen in Gressoney-Saint-Jean (1990)
Der 30 Jahre alte botanische Garten ist Teil des pittoresken Schlossparks. Zahlreiche ornamentale Felsenbeete beherbergen neben den einheimischen auch aus anderen Berglandschaften der Welt stammende Pflanzen. Beim Wandeln über die kleinen Brücken, die über den Fluss Lys führen, begegnet man dem einen oder anderen Edelwe

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